Geburt des BIBChatDE bei schwäbischer Hausmannskost? – BibCamp9 in Stuttgart #bib9


Das Orga-Team der Hochschule der Medien

Es war immerhin schon das neunte BibCamp, das am 8. und 9. April in Stuttgart stattfand, aber erst mein zweites und es hat sich wieder einmal gelohnt. Die sogenannte bibliothekarische Unkonferenz, die nicht durch Vorträge und Frontalpräsentation geprägt ist, sondern durch sogenannte Sessions, in der es nur eine/n Moderator/in gibt und alle Teilnehmer frei über jedes mögliche bibliotheksbezogene Thema diskutieren können, ist ein Gewinn.

In der Sessiondokumentation des Bibcamps lässt sich ja im Grunde alles nachlesen – der Geist, dieses offenen und kommunikativen Formates eines Barcamps für Bibliotheksmenschen lässt sich allerdings nur live erleben. Organisiert war es von den Studierenden der Hochschule für Medien in Stuttgart – an dieser Stelle nochmals ein herzlicher Dank dafür.

Mein gebautes Bild der Bibliothek: Verleiht Superkräfte, die alles möglich machen.

Lego Serious Play

In einer Session, die ich besucht habe, ging es um Lego Serious Play und wie man damit Bürger an der Neukonzeption einer Bibliothek beteiligen kann. Eine spannende Sache: Das, was Worte nicht immer können, kann man mit „Lego Serious Play“ haptisch erlebbar darstellen. So hieß die erste Aufgabe, aus den Legosteinen einen Turm zu bauen – und alle hatten eine andere Variante gebaut, mit identischen Ausgangssteinchen. Auch in der nächsten Aufgabe, kurz mit dem gebauten Lego, das auszudrücken, was man selbst mit Bibliothek verbindet, war verblüffend: Alle hatten eine andere kleine Geschichte zu erzählen, die mit dem Gebauten ausgedrückt wurde. Die Dokumentation der Session kann man hier nachlesen. Es lohnt sich, denn es war schon verblüffend zu sehen, wie man mit diesen kleinen Steinchen, die allen aus ihrer Kindheit bekannt sein dürften, interessante Effekte erzielen kann. Die haptische Herangehensweise und die bereits dadurch geleistete Umsetzung im Kopf bietet viele andere Einsichten. Auch als Teambildungsmaßnahme wird das Tool eingesetzt (und war wohl so ursprünglich von LEGO auch intern verwendet).

Die Session zum BIBChatDE war gut besucht

Geburt des Twitter-BIBChatDE?

In ein anderen Session ging es um eine Idee, die Marlene Neumann, Markus Trapp, Tanja Erdmenger und ich schon auf dem Bibliothekskongreß in Leipzig kurz diskutiert hatten: Wie wäre es, wenn sich Bibliothekarinnen und Bibliothekare mit dem Hashtag #BIBChatDE regelmäßig auf Twitter über bibliotheksrelevante Themen austauschen würden, die zuvor auf einem gleichnamigen Blog und mit Hilfe des Accounts @BIBChatDE abgestimmt wurden. Vorbild für diese Aktion sind die twitternden Lehrer von @EDChatDE, die sich einmal die Woche bei Twitter treffen.

Ziel des BIBChatDEs soll sein;

  1. Bibliothekarinnen und Bibliothekare sowie deren Bibliotheken weiter bei Twitter zu vernetzen und sich über fachliche Belange auszutauschen
  2. Bibliotheksthemen bei Twitter öffentlich zu diskutieren, um so für diese Themen bei Multiplikatoren, Blogger, Journalisten, Institutionen etc. eine größere Reichweite zu erzielen – eben über die Fachwelt hinaus
  3. Aktive Twitterer, Bibliothekskunden und Nicht-Bibliotheksnutzer in Diskussionen mit einbinden, um Anregungen und Reflexionen für aktuelle Bibliotheksthemen zu erhalten und einfach Meinungen und Gedanken zu Fragestellungen von Bibliotheken einzuholen.

Tenor der Session war, ganz niedrigschwellig anzufangen, mit einem einfachen Thema zu starten und bei Twitter aktive Bibliothekarinnen und Bibliothekare zur Diskussion einzuladen. Diese sollen dann die bei Twitter aktiven Bibliotheken einladen, bei dem BIBChatDE mitzumachen. Dann kann jede Institution entscheiden, ob sie bei bestimmten Themen dabei sein will oder nicht – manchmal ist dies einfach wegen Zuständigkeiten innerhalb der Häuser u.U. doch abzuklären.

Es wird also etwas passieren in den nächsten Wochen und wenn wir uns weiter mit denen abgestimmt haben, die in Stuttgart nicht dabei sein konnten, wird da schon was bei herauskommen. Im Prozess des ersten BIBChatDE soll einfach mal geschaut werden, wie das funktioniert und was funktioniert.

Schwierige Bibliothekare?

Eine ganz besondere Session stand dann Samstagmorgen auf dem Programm, in der es um das Thema „Umgang mit schwierigen Bibliothekarinnen und Bibliotheken“ ging.  Hinter diesem Titel, der für einige Heiterkeit sorgte, steckte die ernste Frage, welches Bild wir Bibliotheksmenschen an unseren Service- und Auskunftsplätzen den Kunden vermitteln. Wie steht es mit der Serviceorientierung, mit der Kundenorientierung, der Freundlichkeit? Im Grunde bringt es ein Statement auf den Punkt: Die Kundinnen und Kunden kommen in die Bibliothek mit einer Frage, einem Problem, einem Wunsch und unsere Aufgabe ist es, diese Anliegen professionell zu lösen. d.h. auch freundlich zu sein. Punkt. 

Darüber hinaus war die Komplexität und Schnelllebigkeit der Fragen auf technischem Gebiet, der Rückgang von Rechercheanfragen (Rückgang der Ausleihe von Sachbüchern heißt auch Rückgang von Fragen nach diesen) und die neuen Inhalte an den Kundenservice Thema des Austausches, der sehr fruchtbar war. Allen war klar, dass die Regelmäßigkeit und Nachhaltigkeit die größte Herausforderung ist.

Ronald Kaiser provozierte mit der Frage: Was können Bibliotheken von McDonalds lernen?
Können Bibliotheken was von McDonalds lernen?

Eine weitere besuchte Session war: „Was können Bibliotheken von McDonalds lernen„. Ronald McDonald leitete diese Session nicht persönlich, wohl aber Ronald Kaiser, der punktgenau provozierende Fragen stellte. Es ging nicht nur um das Marketing, oder die einheitliche Kleidung der Mitarbeiter (was immer wieder ein Reizthema ist), sondern auch um Qualität der Dienstleistung. Alle Unternehmen wie McDonalds geben Qualitätsversprechen nach Außen und vermarkten diese – warum machen das Bibliotheken eigentlich nicht auch offensiver?

Dieser kleine Aufriss soll zeigen: Das BibCamp ist unheimlich inspirierend, macht Spaß und ist aufgrund seiner Offenheit ein tolles Format. Es wäre zu wünschen, dass viel mehr Teilnehmer dabei wären und dass irgendwann das BibCamp einen so hohen Stellenwert für viele Bibliothekarinnen und Bibliothekare hat, wie ein Bibliothekskongreß. Im Kopf passiert da ne ganze Menge.

Der Austausch mit anderen beim Essen und Trinken (Hier schwäbische Hausmannskost) kommt nie zu kurz.

Auch Social Media spielte natürlich eine Rolle, deswegen habe ich eine Sache vermisst: Eine Twitterwall war nicht zu finden. Schade – zu einem BibCamp gehört dies für mich schon dazu, die Live-Kommentierung via Twitter auch für alle Teilnehmer groß zu visualisieren. Vielleicht war deshalb diesmal die Twitteraktivität gefühlt nicht so hoch wie beim letzten Treffen in Leipzig 2015.

Sei’s drum – ich werde auf jeden Fall beim nächsten Mal wieder dabei sein.

2 Kommentare zu „Geburt des BIBChatDE bei schwäbischer Hausmannskost? – BibCamp9 in Stuttgart #bib9

  1. […] Quelle: Geburt des BIBChatDE bei schwäbischer Hausmannskost? – BibCamp9 in Stuttgart #bib9 […]

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  2. […] Die Idee des „BIBChats“ entstand am Rande des Bibliothekskongress 2016 in Leipzig und wurde während einer Session im BibCamp in Stuttgart weiter konkretisiert. Ausgangspunkt war die Frage wie es wäre, wenn sich Bibliothekarinnen und Bibliothekare regelmäßig auf Twitter über bibliotheksrelevante Themen austauschen würden. Als Vorbild diente dabei EDChat.de. Der Chat wird seit 2013 sehr erfolgreich von Torsten Larbig und André Spang mit twitternden Lehrkräften und an Schulthemen Interessierten durchgeführt. Stephan Schwering von den Stadtbüchereien Düsseldorf hat hierzu im April 2016 auf seinem Blog einen Beitrag veröffentlicht: „Geburt des BIBChatDE bei schwäbischer Hausmannskost – BibCamp9 in Stuttgart #BIB9„ […]

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