#LibraryLife in der Coronakrise (1) : Digitale Bibliotheksangebote brauchen eine digitale Community


Die Bibliotheken sind gerade geschlossen, ihre digitalen Angebote boomen.

Mein Blog fängt in der Krise neu an. Nicht ganz. Vielleicht aber etwas fokussierter auf mein Bibliotheksleben und meinen ganz persönlichen subjektiven Einschätzungen, Erlebnissen und gelegentlich „lautem Denken“ aus dem alltäglichen #LibraryLife. Manche Dinge entfalten ihre Wirkung eben doch erst, wenn ich sie laut ausspreche oder niederschreibe. Oder sie entfalten eben ihre Wirkung eben dann nicht. So ist es dann. 

Bibliotheken erleben gerade, dass das was sie in den letzten Jahren sinnvoller Weise so in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gestellt haben, durch die Coronasituation fehlt: Die Menschen in den Häusern. Durch die Schließung vieler Bibliotheken in der Coronakrise fehlen auch die allseits beschriebenen Bibliotheken als „Dritte Orte“ in der Gesellschaft, eine Grundfunktion moderner Bibliotheken. Damit fehlen auch die nicht-kommerzielle Orte der Stadtgesellschaft. Ausleihstationen sind moderne öffentliche Bibliotheken ja schon lange nicht mehr. Und wer in den letzten Jahren in einer öffentlichen Bibliothek war, wird sich fragen, was machen die ganzen Besucher*innen jetzt? Bei uns in Düsseldorf platzen wir oft aus „allen Nähten“, alle Arbeitsplätze in der Zentralbibliothek sind häufig besetzt und viele berichten uns, dass sie den Ort Bibliothek bewusst aufsuchen, um sich besser konzentrieren zu können, weil sie die Atmosphäre schätzen – oder schlicht zu Hause nicht die Möglichkeit haben, still oder in Gruppen zu arbeiten. Was machen diese Lernenden nun? Für Viele ist die Öffentliche Bibliothek zudem einer der wenigen nicht-kommerziellen Räume, in dem man sich aufhalten kann und „an dem man nichts muss“, wie Elena Penner Anfang des Jahres treffend schrieb. Die Bibliotheken werden auch ihnen fehlen.

Digitale Bibliotheksangebote sind ein eigener Ort

Gleichzeitig merken wir, wie wichtig die digitalen Angebote der Bibliotheken wirklich sind. Viele Bibliotheken erleben gerade einen unheimlichen Run auf Ihre digitalen Angebote (auch weil viele Bibliotheken, wie wir in Düsseldorf ein kostenfreies, befristetes DigitalAbo anbieten). Viele Bürger*innen nehmen sie wohl sogar zum ersten Mal war. Gut, dass viele Bibliotheken einen – wenn auch befristeten – kostenfreien Zugang auf ihre Angebote gewähren. Gut aber auch, wenn die Bibliotheken diese in den sozialen Netzwerken kommunizieren, erläutern und erklären können und dort auch für Fragen und Anliegen ansprechbar sind.

Spätestens jetzt wird klar, wie wichtig es ist, das digitale Angebot einer Bibliothek wie z.B. die onleihe eigenständig zu denken. Es ist ein eigener, digitaler Ort. Bibliotheken bieten den Zugang dazu und sind vertrauenswürdige Partnerinnen für die Bürger*innen im Netz, virtuelle Inseln für fundierte Information und gute Inhalte. Die digitalen Nutzer*innen werden vielleicht die Bibliothek als analogen Ort in ihrer Stadt nie aufsuchen – akzeptieren wir das. Die Coronakrise und die damit verbundene Schließung von Bibliotheken wird wahrscheinlich zu einer größeren Verbreitung der digitalen Bibliotheksangebote führen, als jede andere Werbemaßnahme der geöffneten Bibliotheken zuvor es je vermocht hat. Das ist nicht überraschend und dennoch kann es uns etwas verdeutlichen: Die digitalen Angebote und die digitale Kommunikation finden in dieser Zeit gerade neu zueinander – und das ist notwendig. Insofern bietet diese Krise auch in Bibliotheken eine Chance über eine reine Nutzungssteigerung der digitalen Angebote hinaus.

Auch wenn man nie alle Bürgerinnen und Bürger in den Sozialen Medien erreicht: Spätestens jetzt werden viele Bibliotheken merken, wie wichtig nicht nur ein Account und die Präsenz in sozialen Netzwerken ist, sondern auch ein ausgebautes Netzwerk, eine Community und eine ausreichende Anzahl an Fans und Followern. Sie tragen die Angebote nach außen, sie geben Feedback, Kritik und auch Ermunterung. Ich wünschte mir, dass viele Bibliotheken nun merken, wie unheimlich wichtig die digitale Communityarbeit in den sozialen Netzwerken ist. Seit vielen Jahren bin ich Verfechter einer starken Präsenz der Bibliotheken in den sozialen Netzwerken. Ich halte Social Media und Digitale Kommunikation für eine Führungsaufgabe.

Digitale Communities stärken Bibliotheken

Ein digitales Angebot ohne digitale Community entfaltet seine Wirkung eben nicht in dem Maße, wie sie es könnte (und wie die Vergangenheit gezeigt hat). In zwei Beiträgen („Von Situationen mit Potential und Gelegenheiten der Verführung – Strategie als Denken in Communities“ und „Heftige Zeiten als Chance – ein Lob der digitalen Verbindung und Formatentwicklung„) beschreibt Simone Orgel auf Medium.com sehr treffend die Bedeutung von Communities im Digitalen z.B. als Bestandteil strategischen Denkens und als zur digitalen Kultur dazugehörend. Auch im analogen Raum wird ja die Gemeinschaft gepflegt, sei es durch Veranstaltungen oder den persönlichen Kontakt mit den Bibliotheksmitarbeiter*innen. Dies passiert im digitalen Raum von Bibliotheken meist in den Sozialen Medien oder mit Veranstaltungsformaten, die Digitales mit Analogem verbinden – aber immer noch zu wenig.

Ich wünsche mir, dass nun noch mehr Bibliotheken den Weg in die Sozialen Netzwerke finden und dort vertrauenswürdige Ansprechpartnerinnen werden. Nun scheint auch der Zeitpunkt gekommen, wo es nur mit lustigen Postings und Büchertischen nicht mehr getan ist. Die Bibliotheken werden im Netz gebraucht, um Hatespeech und Respektlosigkeit entgegen zu wirken und für unsere demokratische Grundordnung einzutreten und nicht zuletzt, um ihre eigene digitale Community zu pflegen und wertzuschätzen.

Letztendlich sind Bibliotheken kein Selbstzweck, sondern Orte der Bürger*innen und viele davon sind durchaus gewillt und bereit für die Bibliotheken einzutreten. Verschenken wir dieses Potential nicht, dass durch die Coronakrise deutlich wird. Viele Bibliotheken erleben gerade eine erhöhte Reichweite oder einen erhöhten Zulauf nicht zur zur Onleihe, sondern verzeichnen auch eine höhere Reichweite ihrer Auftritte in Social Media. Die Antworten auf einen Tweet von mir bestätigen bereits zumindest ganz grob dieses subjektive Gefühl. Werten wir in einem halben Jahr die Zahlen noch einmal aus (to be continued …).

 

 

 

2 Kommentare zu „#LibraryLife in der Coronakrise (1) : Digitale Bibliotheksangebote brauchen eine digitale Community

  1. […] #LibraryLife in der Coronakrise (1) : Digitale Bibliotheksangebote brauchen eine digitale Commu… Geposted in: Zum Thema […]

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  2. […] auch auf Bibliotheken. Ende März (Mitten in der Krise) habe ich darüber gebloggt, dass „Digitale Bibliotheksinhalte auch eine digitale Community“ brauchen. Ich möchte heute einen weiteren Gedanken hinzufügen: Bibliotheken müssen […]

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